Warum ist der Privatverkauf überhaupt attraktiv?
Die Idee ist verlockend: Wer sein Haus ohne Makler verkauft, spart die Käufer-Provision von 3,57 % inkl. MwSt. Bei einem Kaufpreis von 350.000 € sind das 12.495 € — ein ernstzunehmender Betrag. Kein Wunder, dass viele Eigentümer zunächst den Privatverkauf in Betracht ziehen.
Doch die Rechnung hat mehrere Seiten. Dieser Ratgeber zeigt ehrlich, was ein Privatverkauf wirklich bedeutet — und wann er sich lohnt (oder eben nicht).
Was müssen Sie beim Privatverkauf selbst erledigen?
Ein Immobilienverkauf ist kein Spontankauf. Zwischen dem Entschluss zu verkaufen und der Schlüsselübergabe liegen im Schnitt 3–6 Monate — mit folgenden Aufgaben:
1. Marktwertanalyse
Ohne fundierte Marktkenntnisse riskieren Sie entweder einen zu hohen Angebotspreis (Immobilie bleibt monatelang unverkauft) oder einen zu niedrigen (Geld bleibt auf dem Tisch). Gutachterausschüsse veröffentlichen Kaufpreissammlungen — aber die Interpretation erfordert Fachkenntnis.
In Hameln liegen Einfamilienhäuser je nach Stadtteil zwischen 1.700 und 2.600 €/m². Der Unterschied zwischen Afferde und Wehl kann bei gleichem Haus 150.000 € bedeuten.
2. Exposé und Fotografie
Professionelle Immobilienfotografie kostet 300–800 €. Eine 3D-Matterport-Tour 500–1.500 €. Drohnenaufnahmen 200–500 €. Das Exposé — mit allen rechtlich korrekten Angaben zu Wohnfläche, Energieausweis und Provisionshinweis — muss juristisch einwandfrei sein. Fehler können teuer werden.
3. Inserate schalten
ImmoScout24 berechnet Privatverkäufern etwa 60–200 € pro Inserat (je nach Laufzeit und Paket). Makler zahlen deutlich weniger durch Rahmenverträge — und schalten auf 5–8 Portalen gleichzeitig.
4. Interessentenmanagement
Sobald Ihr Inserat live ist, kommen Anfragen — auch von Kaufinteressenten ohne Finanzierungszusage, von Maklern, die Sie abwerben wollen, und von Neugierigen. Jede Anfrage prüfen, Rückrufe erledigen, Terminkoordination: Das kostet Zeit — im Schnitt 5–15 Stunden pro Woche in der aktiven Vermarktungsphase.
5. Bonitätsprüfung der Interessenten
Bevor Sie einen Notartermin vereinbaren, sollten Sie die Finanzierungszusage des Käufers prüfen. Platzt der Kauf wegen fehlender Finanzierung kurz vor dem Notar, verlieren Sie Monate. Professionelle Makler qualifizieren Interessenten vorab — das spart auf beiden Seiten Zeit.
6. Kaufvertrag und Notartermin
Der Notartermin selbst läuft mit Unterstützung des Notars ab. Aber: Wer verfasst den Kaufvertragsentwurf? Der Notar prüft Rechtmäßigkeit, nicht Ihre wirtschaftlichen Interessen. Offene Fragen zu Inventar, Übergabeterminen, Sachmängeln, Rücktrittsklauseln — das gehört vorab geklärt.
Was kostet der Privatverkauf wirklich?
Rechnen wir am Beispiel eines Einfamilienhauses in Hameln, Angebotspreismittelpunkt: 350.000 €.
| Kostenposition | Privatverkauf | Maklerverkauf (AK Immobilien) |
|---|---|---|
| Marktwertanalyse | 500–2.000 € (Gutachter) oder Schätzung | Kostenlos |
| Profifotografie | 400–800 € | Inklusive |
| 3D-Matterport-Tour | 500–1.500 € | Inklusive (Exklusivauftrag) |
| Inserate (6 Monate) | 400–1.200 € | Inklusive |
| Ihre Arbeitszeit (50–80 Std.) | unbezahlt, aber real | Delegiert |
| Fehlpreisrisiko | Hoch — 5–15 % zu wenig oder zu viel | Gering — Marktpreisexpertise |
| Provision Verkäufer | 0 % | 3,57 % (§ 656c BGB) |
| Provision Käufer | 0 % | 3,57 % (§ 656c BGB) |
Bei AK Immobilien zahlen Käufer und Verkäufer je 3,57 % inkl. MwSt. (§ 656c BGB: hälftige Aufteilung). Die Provision ist erfolgsabhängig — fällig nur nach erfolgreichem Notartermin.
Was Studien zeigen: Privatverkauf erzielt oft weniger
Mehrere Studien (u.a. Haufe Immobilien, IVD) zeigen: Professionell vermarktete Immobilien erzielen im Schnitt 5–12 % höhere Verkaufspreise als vergleichbare Privatverkäufe. Gründe:
- Bessere Preispositionierung durch Marktdatenanalyse
- Mehr Reichweite durch Mehrfachvermarktung auf allen Portalen
- Qualifiziertere Interessenten durch professionelle Vorfilterung
- Stärkere Verhandlungsposition durch erfahrene Kaufpreisverhandlung
Bei einem Haus für 350.000 € bedeutet 5 % mehr Verkaufspreis: 17.500 € zusätzlich — weit mehr als die Provisionszahlung von 3,57 % (§ 656c BGB).
Wann lohnt sich der Privatverkauf?
Es gibt Situationen, in denen ein Privatverkauf sinnvoll sein kann:
- Sie haben bereits einen konkreten Käufer in der Familie oder im Bekanntenkreis
- Sie haben viel Zeit, Geduld und Verhandlungserfahrung
- Es handelt sich um ein sehr einfaches Objekt (z.B. unbebautes Grundstück ohne Besonderheiten)
In allen anderen Fällen — besonders bei hochwertigen Immobilien, Erbschaftsobjekten, Zeitmangel oder wenn Sie zum ersten Mal verkaufen — ist professionelle Begleitung die klügere Wahl.
Fazit: Der Mehrerlös überwiegt die Provision
Die vermeintliche "Ersparnis" beim Privatverkauf existiert in den meisten Fällen nicht. Gemäß § 656c BGB zahlen bei AK Immobilien Käufer und Verkäufer je 3,57 % inkl. MwSt. Was der Privatverkauf wirklich kostet, sind Ihre Zeit, Ihr Nerv und das Risiko eines zu niedrigen Verkaufspreises — der im Schnitt 5–12 % unter dem professionell erzielten Preis liegt.
Wenn Sie wissen möchten, was Ihre Immobilie wirklich wert ist: Die Wertermittlung bei AK Immobilien ist kostenlos und unverbindlich. Kein Auftrag, keine Verpflichtung — nur eine ehrliche Einschätzung vom IHK-Makler.